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Lebenskunst:
Ein alter Begriff zieht neues Interesse auf sich, individuell und
gesellschaftlich, in der Philosophie und in den Künsten. Daran war ein
bekannter französischer Philosoph vielleicht nicht unbeteiligt, der
bemerkte, "dass Kunst in unserer Gesellschaft zu etwas geworden ist,
das nur Gegenstände, nicht aber Individuen oder das Leben betrifft. Dass
Kunst etwas Gesondertes ist, das von Experten, nämlich Künstlern,
gemacht wird. Aber könnte nicht das Leben eines jeden ein Kunstwerk
werden?"1 Kaum eine Aussage Michel
Foucaults ist in den zurückliegenden Jahren so häufig zitiert worden wie
diese. Was aber könnte mit dem schillernden Begriff des Lebens als
"Kunstwerk" gemeint sein? Geht es um die alte avantgardistische
und, wie man dachte, längst gescheiterte Verschmelzung von Kunst und
Leben? Wo liegen die Schnittstellen zwischen Kunst und Lebenskunst und
läuft das Projekt der Lebenskunst etwa darauf hinaus, die Autonomie der
Künste in Frage zu stellen? Aber es erscheint sinnvoll, zunächst einige
Grundzüge der Geschichte der Lebenskunst zu skizzieren, um zu sehen, wie
es überhaupt zur Verknüpfung von Kunst und Lebenskunst gekommen ist.
Eine kurze Geschichte der Lebenskunst
Die Lebenskunst war, was im ausgehenden 20.
Jahrhundert kaum noch vorstellbar erscheint, einst in der Philosophie
beheimatet, ja man kann sogar die These wagen, dass – jedenfalls in der
Antike – die Suche nach einer Lebenskunst das leitende Anliegen der
Philosophie gewesen ist. Philosophie wird oft mit reiner Theoriebildung
gleichgesetzt, aber in der Antike war die theoretische Arbeit kein
Selbstzweck, sondern leitete die philosophische Lebensführung und deren
praktische Einübung an. Dies diente zur Neuorientierung des Lebens in
Zeiten voller Ungewissheit, als Traditionen und Konventionen, die das
Leben der Gesellschaft wie jedes Einzelnen geregelt hatten, zerbrachen.
Schon damals lässt sich zwischen populärer und philosophischer
Lebenskunst unterscheiden: Erstere zielt auf die mühelose Bewältigung
des Alltäglichen, die sorgenfreie Leichtigkeit des Seins; letztere ist
charakterisiert durch die weitsichtige, vorausschauende Sorge, und zwar
auf der Grundlage eines Wissens von den wesentlichen Grundstrukturen und
Zusammenhängen des Seins. Alle Erforschung des Seins hat nur die
Ermöglichung einer philosophischen Lebensform zum Ziel. Worin diese
Lebensform besteht, davon haben die diversen Schulen – Pythagoreer,
Sophisten, Kyrenaiker (zurückgehend auf Aristipp von Kyrene), Akademiker
(zurückgehend auf Sokrates und Platon), Peripatetiker (zurückgehend auf
Aristoteles), Kyniker, Epikureer, Stoiker – stark divergierende, immer
aber sehr bestimmte Auffassungen; umso markanter treten die
Überschneidungen bei wichtigen Punkten hervor: Einen asketischen Umgang
mit Lüsten privilegieren alle Schulen mit Ausnahme der kyrenaischen;
allen geht es um die Erlangung von Autarkie (Selbstmächtigkeit) und
Eudaimonie (Glückseligkeit); die Sorge um sich selbst wird von Sokrates
eingeführt und von anderen übernommen; die Freimütigkeit wird von
Kynikern in besonderem Maße manifestiert; die Pflege der Freundschaft
spielt für alle Schulen eine große Rolle; unabdingbar für jede
philosophische Lebenskunst ist die meditative Vorbereitung auf den Tod.
Ihre grösste Wertschätzung erfährt die
philosophische Lebenskunst in der jahrhundertelangen Tradition der
stoischen Schule, beginnend etwa 300 vor Christus: Dies ist die Zeit der
Arbeit am Begriff der Lebenskunst (griechisch peri bíon téchne, lateinisch
ars vitae, ars vivendi); Lebenskunst soll das Selbst stärken und
geradezu zu einer uneinnehmbaren Festung im Sturm des Lebens machen; das
Selbst soll den okkupierenden Geschäften entfliehen können, sich selbst
zueigen werden, widrige Gegebenheiten gleichgültig hinnehmen,
Entbehrungen mit Gelassenheit ertragen, nötigenfalls sogar dem eigenen
Leben selbst ein Ende setzen. Kunst und Lebenskunst werden in Bezug
zueinander gesetzt: "So wie Holz das Material des Zimmermanns ist,
Bronze das des Bildhauers, so ist das Material der Lebenskunst das Leben
jedes einzelnen", heisst es in den "Diatriben" des Stoikers
Epiktet. Die Arbeit der Gestaltung geht bei der philosophischen
Lebenskunst über das jeweilige Individuum und seine unmittelbare,
momentane Existenz noch hinaus: Ars longa, vita brevis – Seneca
bezieht diese hippokratische Sentenz auf die Kunst des Lebens, die nicht
nur das Selbst hier und jetzt im Auge hat, sondern ein umsichtiges und
vorausschauendes Denken befördert.
Dann aber verschwindet die Lebenskunst in den
Klöstern, sie wird im christlichen Sinne uminterpretiert von den
Kirchenvätern: Aus der Sorge des Selbst für sich und die eigene Seele
wird beispielsweise die "Seelsorge" eines christlichen Hirten
für das verwerfliche Selbst, um dessen arme und sündige Seele zu Gott zu
führen. Gänzlich in Vergessenheit gerät die philosophische Lebenskunst
in der mittelalterlichen Philosophie der Scholastik, aufs Neue
wiederentdeckt erst in der Philosophie der Renaissance, bei Petrarca, Pico
della Mirandola, Erasmus von Rotterdam – und vor allem bei Montaigne,
der im 16. Jahrhundert das ganze Spektrum antiker Lebenskunst in seinen
"Essais" erneut präsentiert,2
jedoch mit anderen, nie zuvor gekannten Vorzeichen: Es ist ihm
existentiell ernst damit, Essays, also Versuche, keineswegs nur in
der Schrift, sondern im Leben anzustellen, Experimente zu machen
und auf diese Weise Erfahrungen zu sammeln. Die frühe Form einer modernen
Lebenskunst findet sich bei ihm, die nun nicht mehr, wie in der Antike,
aus "Anweisungen" zum richtigen Leben besteht, sondern die
Möglichkeiten des Lebens selbst erst in Erfahrung bringt und erprobt. In
der Zeit nach Montaigne ist der Raum offen für Autoren wie Gracián, La
Rochefoucauld, La Bruyère, Montesquieu, Vauvenargues, Chamfort,
Shaftesbury, Ferguson, die allesamt die Tradition der Reflexion über die
Lebenskunst fortführen. In der deutschen Philosophie des 18. Jahrhunderts
hat es sogar einen regelrechten Lebenskunstdiskurs gegeben, der sich aber
offenkundig darin erschöpft, mit kategorischem Ton immer neue
Verhaltensmaßregeln zu verkünden, sodass Christoph Martin Wieland die
Notwendigkeit sieht, sich von dieser berühmten "Kunst zu leben,
Filosofie genannt", zu distanzieren, von der er nicht darüber
belehrt werden will, wie er zu leben habe.3
Eine neuerliche Blüte, wenn auch allzu kurz,
erlebt die Lebenskunst an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in der
Frühromantik: In seiner Schrift über den "Wert des Lebens"
bezieht sich Schleiermacher auf die "Kunst des Lebens",
Friedrich Schlegel verweist auf die "Lebenskunstlehre" und
Novalis auf die "Kunst zu leben" in der Zeitschrift "Athenäum",
Schlegels Roman "Lucinde" handelt vom "Leben als
Kunstwerk", die Briefe von Caroline Schlegel-Schelling legen Zeugnis
ab von der romantischen Suche nach der "Kunst zu leben".4
Dem romantischen Verständnis zufolge dient die literarische Kunst der
Realisierung von Lebenskunst, nämlich der Realisierung des romanhaften
Lebens, der ästhetischen Existenz, des Einssein mit allem, der Aufhebung
der Zeit in einem intensiven Augenblick. Das aber erweist sich als ein
unzeitgemäßer Traum in der Epoche, die der Herrschaft der Zeit zu
frönen beginnt; nicht von ungefähr verschwindet die Lebenskunst aus dem
Horizont der modernen Philosophie (Hegelianismus, Neukantianismus), die
sich nurmehr der Rationalität der wissenschaftlichen Systembildung und
der Moralität der auf Pflichterfüllung gegründeten Gesellschaft
verschreibt; sie stürzt in den Orkus der Moderne, deren
wissenschaftlich-technische Rationalität und industrielle
Arbeitsorganisation die Träume einer romantischen wie auch die Klugheit
einer pragmatischen Lebenskunst überflüssig zu machen scheint. Was in
Kulturen wie der französischen überlebt, ist die populäre
Lebenskunst des savoir-vivre, des Wohlbefindens, des leichten
Lebens, des guten Essens und Trinkens.
Der heimatlos gewordenen philosophischen
Lebenskunst aber wird schliesslich Asyl gewährt von den Künsten, den
künstlerischen Avantgarden der Moderne des 20. Jahrhunderts. Dass die
Lebenskunst bei ihnen heimisch werden kann, hat mindestens zwei Gründe:
Zum einen nehmen sie, bewusst oder unbewusst, das Vorhaben der Romantik
wieder auf, das Leben mit Kunst zu verknüpfen und sich mit dem
romantischen Projekt einer Lebenskunst der Vereinnahmung des Lebens durch
die moderne Rationalisierung entgegenzustellen. Zum anderen liegt es
zweifellos in der Konsequenz des schwindenden Objektbezugs in den modernen
Künsten, nicht mehr nur darauf zu verzichten, irgendwelche Natur
"nachzuahmen" und stattdessen Autonomie zu exerzieren und
Subjektivität zum Ausdruck zu bringen, sondern nun das Subjekt und sein
Leben selbst als Gegenstand der Kunst zu betrachten. Im Durchgang durch
die Erfahrung der modernen Künste aber bleibt das Verständnis der
Lebenskunst nicht dasselbe wie in der philosophischen Tradition. In
welcher Weise es verändert und womöglich bereichert wird, wird im
Folgenden zu sehen sein.
Das Material der Lebenskunst
Der historische Hintergrund kann besser
verständlich machen, wie etwa Paul Klee dazu kommt, sich ausweislich
eines Tagebucheintrags von 1902 für den "Begriff Lebenskunst"
mehr noch als für seine Kunst zu interessieren. Lebenskunst, darunter
versteht er: Konventionen keine Folge mehr zu leisten, sondern
eigenständig zu leben und zu arbeiten, Sorge für sich selbst zu tragen
und sich ständig um die Erweiterung des eigenen Horizonts zu bemühen.
Klee will mit sich selbst und seinem Leben zurechtkommen, um die Grundlage
für seine Kunsttätigkeit im engeren Sinne zu schaffen und das Leben
nicht ungenutzt dahingehen zu lassen: "Die Kunst, das Leben zu
meistern, ist die Grundbedingung zu allen weiteren Äußerungen".
Nicht ohne Ironie stellt er schon im Frühjahr 1901 folgendes Programm
auf: "Zuoberst die Kunst des Lebens, dann als idealer Beruf:
Dichtkunst oder Philosophie, als realer Beruf: die Plastik und zuletzt in
Ermangelung einer Rente: die Zeichnungskunst (Illustration)".5
Wie jede Kunst bedarf auch die Lebenskunst eines
Materials, dem in irgendeiner Weise Form zu verleihen ist. Ihr Material
ist "das Leben" – nicht so sehr das Leben im biologischen
Sinne, auch nicht das Leben, das auf eine etwas mystische Weise als
Unmittelbarkeit verstanden wird, sondern das Leben, so wie es gelebt wird,
vollzogen durch Akte des Lebens, die von einer relativ
willkürlichen Anhäufung struktureller und kontingenter Faktoren bedingt
sind, äusserlichen, von Aussen herrührenden, und innerlichen, im Subjekt
selbst verankerten Faktoren. Da findet sich Existentielles, das die
Grundlagen und Grundfragen der Existenz berührt, also das, was Leben
überhaupt ermöglicht oder verunmöglicht und daher tiefer greift als
anderes, und Akzidentelles, das nicht den Kern der Existenz
betrifft, sondern in seiner Zufälligkeit beiläufig ist. Bunt
zusammengewürfelt aus all dem ist die große Fülle des Materials des
Lebens, bestehend aus Affekten, Erfahrungen, Beziehungen, Begegnungen mit
Anderen, Träumen, Gedanken, Ängsten, Schmerzen, Wünschen, Lüsten,
Zufällen, Zwängen usw. – eine amorphe Masse, die, wenn sie sich nicht
im Disparaten, Diffusen, unentwegt in Transformation Befindlichen
verlieren soll, der Formung und Gestaltung bedarf. Das ist Lebenskunst:
Eine fortwährende Arbeit der bewussten Gestaltung des Lebens und des
Selbst, um daraus ein Kunstwerk zu machen.
Ein Beispiel dafür, was das heissen kann,
offeriert Paul Klee: Existentielle Reduktion, um die unüberschaubare
Vielfalt des Erlebten zu reduzieren auf das, was für das eigene Selbst
als wesentlich erscheint; einfach zu werden, Ballast abzuwerfen, "bis
nur sehr wenig mehr da" ist, nämlich das, was die Grundzüge der
eigenen Existenz, die charakteristische Linie des persönlichen Stils
ausmachen soll. Kunst im Sinne gestalterischer Tätigkeit auf das Material
des Lebens zu wenden, dafür steht auch die Bewegung, die es sich zur
Aufgabe macht, "Kunst zu leben": Den Konstruktivisten erscheint
es möglich, mithilfe der Kunst "leben zu lernen", wie Alexander
Rodtschenko sagt; nämlich ein aktives, organisierendes und in diesem
Sinne konstruktives Leben zu führen. Teil dieser Kunsttätigkeit ist es,
dem Subjekt einen neuen Bezug zu alltäglichen Gegenständen zu
vermitteln, sodass diese aufhören, bloße Objekte zu sein. Dazu aber ist
es nötig, sie der gewohnten Perspektive zu entziehen und sie in ein
anderes Licht zu stellen, "die gewöhnlichen Gegenstände auf eine
ungewöhnliche Weise zu sehen", um nicht mehr nur die vorgefundenen
Sichtweisen für die einzig möglichen zu halten, sondern zu lernen, sich
darüber hinwegzusetzen. Selbst die Kunstform der Fotografie wird
eingesetzt, um die Vielfältigkeit möglicher Perspektiven aufzuzeigen,
"die Welt von allen Blickpunkten aus zu zeigen", "sie von
allen Seiten zu sehen" und auf diese Weise das alltägliche Leben und
die im Alltag verwendeten Formen der Gesellschaft zu gestalten.6
Der Begriff von Kunst, der dabei im Spiel ist, wenn Kunst sich auf das
Leben richtet, ist jedoch noch genauer zu betrachten.
Der Begriff von Kunst in der Lebenskunst
"Kunst" ist die Arbeit der Gestaltung,
die das Subjekt der Lebenskunst, seiner selbst bewusst, im Grunde auf sich
selbst richtet, also auf das zunächst nur zufällig gegebene Konglomerat
dessen, was es selbst an einem bestimmten Punkt in Raum und Zeit an Stoff
des Lebens konzentriert und inkarniert, und was nun, aufgrund einer
bewussten Wahl, Form bekommen soll, bezogen auf das Selbst
(Selbstgestaltung) und auf das reflektierte Leben des Selbst mit sich und
in der Vernetzung mit Anderen, das Leben in Gesellschaft, in sozialen und
ökologischen Zusammenhängen (Lebensgestaltung). Kunst meint dabei ein
Wissen und Können; ein Wissen, da die Kenntnis von Zusammenhängen
– dessen, "was ist" – die Voraussetzung zur Ausübung von
Lebenskunst darstellt, und ein Können, da die Kunst in der
Erschliessung von Möglichkeiten und in der Anwendung von Techniken –
sachkundig handeln zu können und dies auch wirklich zu tun – besteht.
Das Wissen aber kann im Begriff des Könnens inbegriffen sein, und zwar
auf verschiedenen Ebenen:
1. Auf einer kreativen, erfinderischen Ebene
meint Können, den Horizont der Möglichkeiten zu eröffnen, ihn
experimentell auszumessen. In der Tat muss ein Gestaltungspotential
zuallererst geschaffen werden, sei es durch eine Idee, durch
Vorstellungskraft, durch die Arbeit des Wissens oder durch die faktische
Befreiung von beengenden Verhältnissen, in jedem Fall durch einen
schöpferischen Akt, bei dem es darum geht, Möglichkeiten aufzufinden und
zu erarbeiten, auch diejenigen Möglichkeiten, die es erlauben, mit
Bedingungen zurechtzukommen, zu denen bis auf weiteres keine Alternative
ausfindig zu machen ist. 2. Auf einer regelgeleiteten, technischen Ebene
ist mit Können die Realisierung von Möglichkeiten gemeint.
Dadurch wird das Potential aktualisiert, die Potenz wird zum Akt, und dies
ist nicht möglich ohne "Know-how", ohne praktisches und
technisches Wissen-Wie und dessen Umsetzung. "Ich kann das"
bedeutet nun nicht mehr nur, über Möglichkeiten zu verfügen (was
möglicherweise auch eine leere Behauptung sein könnte), sondern sie zu
konkretisieren und mithilfe erlernter und eingeübter Methoden, Praktiken
und Techniken eine Vorstellung oder Idee zu realisieren: Können als
Kompetenz und Können als praktischer Vollzug. 3. Auf der Ebene der
Ausgestaltung und Verfeinerung tritt das Können als kunstvolle
Realisierung von Möglichkeiten in Erscheinung, "gekonnt" im
gebräuchlichen Sinne des Wortes. Die Voraussetzung dafür ist die
vertiefte Kenntnis der Strukturen dessen, "was ist", die
gesteigerte Reflektiertheit und die große Vertrautheit mit allen Aspekten
des jeweiligen Gegenstandsbereichs, die genaue Kenntnis selbst der
filigranen Details, die ausserordentliche Fertigkeit in der Anwendung von
Bearbeitungsmethoden.
Alle diese Momente schwingen mit im Begriff des
Könnens und durchdringen das Leben, so wie es gelebt wird, mit Kunst:
Können als Verfügung über ein Potential, als Aktualisierung im Akt des
Vollzugs und schliesslich als gekonnte Umsetzung, die der Gestaltung die
Finesse verleiht, die sie zum herausragenden Kunstwerk macht. Entscheidend
aber ist jeweils die Wahl, die das Subjekt der Kunst und
Lebenskunst bewusst und reflektiert für sich selbst trifft: Dies zu
machen und nicht jenes, in dieser Form und an diesem Ort, mit diesem
Material und jenen Mitteln, ernsthaft oder ironisch, allein oder gemeinsam
mit Anderen. Jede Kunst, so auch die Lebenskunst, ist eine Abfolge von
Wahlakten: Die Kunst kann darin bestehen, eine bestehende Struktur zu
durchbrechen und eine andere Ordnung der Dinge zu inaugurieren, gemäß
einer frei gewählten Regel auch noch dort, wo eine bestehende Regel
durchbrochen wird. Vieles wird dabei freilich nicht vom Subjekt
geschaffen, sondern, unter etlichen Umformungen, anderen Zusammenhängen
nur "entliehen". Von einem Geniesubjekt kann insofern die Rede
sein, als es in jedem Fall um eine geniale, nämlich erfinderische,
gekonnte und eigenständige Tätigkeit, um ein Zeugen und Hervorbringen,
ein Wachsen- und Werdenlassen (griechisch gennãn) geht.
Künstlersubjekt und Subjekt der Lebenskunst
Das Subjekt der Lebenskunst, der/die artifex
vitae, wird, wiewohl Subjekt, bei dieser Arbeit der Gestaltung für
sich selbst zum Objekt; anstelle auf äussere Objekte richtet sich die
Kunsttätigkeit hier auf das Subjekt selbst, aus der Objektkunst wird eine
Subjektkunst. Allerdings lassen sich Objekt- und Subjektkunst nicht
so ohne weiteres auseinanderhalten, denn jede Kunst ist eine Technik, mit
der ein Subjekt an sich selbst arbeitet, während es an einer äusseren
Form arbeitet; die Arbeit am Objekt wirkt immer auf das Subjekt selbst
zurück. Mit einer alten lateinischen Formel, fabricando fabricamur,
kann dies am besten zum Ausdruck gebracht werden: Etwas gestaltend,
gestalten wir uns selbst; durch die Arbeit der Gestaltung etwa eines
Gegenstandes werden wir selbst gestaltet; die Herstellung von etwas ist
zugleich die Herstellung von uns selbst. Sollte dies zutreffen, dann wäre
jede Kunst ohnehin auch eine Lebenskunst.
Die Verwandtschaft von Künstlersubjekt und
Subjekt der Lebenskunst zeigt sich darin, dass beide "Autonomie"
für sich beanspruchen. Das aber heisst im Wortsinne: Sich selbst das
Gesetz zu geben. Im Dadaismus wird das Verständnis von Kunst und
Lebenskunst in diesem Sinne praktiziert: Dada bezeichnet nicht nur eine
völlig autonome Kunstauffassung, sondern auch ein "Recht auf
Selbststeuerung für die Lebensführung", oder, wie Raoul Hausmann
dies ausdrückt: "Der Mensch ergreift Besitz von sich" und zieht
das ganze Register der menschlichen Lebensäusserungen, "angefangen
von der groteskesten Selbstpersiflage bis zum heiligsten Wort des
Gottesdienstes auf der reif gewordenen, allen Menschen gehörenden Kugel
Erde".7 Sich als Individuum selbst
zum Kunstwerk zu machen, sich zu stilisieren, das verwirklicht am
konsequentesten eine Dadaistin wie Elsa von Freytag-Loringhoven: Man denke
nur an ihren BH aus zwei Dosen Tomatensuppe und an die Glühbirne auf
ihrem Hintern.8 Die Wahl, die sie
freimütig trifft und mit der sie die Ästhetik ihrer Existenz begründet,
rückt sie bewusst und militant ins Zentrum.
Wenn Kunst die Arbeit der Gestaltung ist,
bedeutet dies für das Künstlersubjekt wie für das Subjekt der
Lebenskunst jedoch nicht immer nur aktiv zu gestalten, sondern mehr noch,
sich gestalten zu lassen, nicht aktiv zu wählen, sondern passiv
sich wählen zu lassen – vom Material, von der Idee des
künftigen Werks, von einer Farbe, einer Faszination, einer
"göttlichen" Inspiration. Was nur ein Motiv ist, wird auf diese
Weise selbst zum Subjekt, wie dies der französische Phänomenologe
Maurice Merleau-Ponty am Beispiel von Cézannes Mont Sainte-Victoire
dargelegt hat: Der Berg macht sich selbst sichtbar auf dem Tableau des
Malers, dessen Inspiration von der Stimme des Objekts herrührt, das ihn
ruft. Und so viele Maler es gibt, so viele verschiedene Arten gibt es für
das zum Subjekt gewordene Objekt, sich sehen zu lassen und gemalt zu
werden, und alle Arten zusammengenommen vermögen es nicht zu erschöpfen.
Nicht "ich" bin es, der wahrnimmt, sondern "es" nimmt
in mir wahr: Die Wahrnehmung besitzt mich, und ich bin besessen von ihr.9
Sich schliesslich auch träumen zu lassen: Dafür stehen in der Kunst des
20. Jahrhunderts die Surrealisten, die den Traumgesichtern folgen, die aus
der Nacht auftauchen und wieder verschwinden darin. Die Träume künden
von Lüsten, die das enge Reich der bestehenden Realität zu sprengen in
der Lage sind; eine Lebenskunst, offen für den Anderen und das Andere,
geht aus dieser Erfahrung hervor. Der Mensch der Lust, den Surrealisten
wie Paul Éluard im Blick haben, ist nicht eingeschlossen in sich selbst
und erfährt sich selbst als einen Anderen.
Die Verwandtschaft von Künstlersubjekt und
Subjekt der Lebenskunst kommt auch zum Vorschein, wenn es nicht um den Akt
der Herstellung von Kunst, sondern um die Darstellung des Subjekts
im Kunstwerk geht, seine Repräsentation, in der eine Subjektkonzeption
zum Ausdruck kommt, die als Konzept in die Lebenskunst übernommen werden
kann. Die Infragestellung der Identität des Subjekts, wie sie in den
Werken des Konstruktivismus, Dadaismus und Surrealismus unternommen worden
ist, ist dabei von besonderem Interesse; eine singuläre Künstlerin wie
Cindy Sherman führt zudem in ihrer Arbeit beeindruckend vor, welche
Vielzahl von Aspekten, Gestalten, "Identitäten" in einem
Subjekt wohnen können, und dass dessen Gesicht eine formbare Plastik ist.
Sie selbst stellt dieses Subjekt dar, indem sie immer wieder Andere
repräsentiert, fotografisch (Untitled Film Stills, Disgust Pictures,
History Portraits, Sex Pictures), schliesslich auch filmisch (Office
Killer) inszeniert, Experimente mit romantischen und verruchten,
gewöhnlichen und katastrophischen, historischen und fiktionalen
Existenzen macht, Träume und Alpträume, Ideen und Horrorvisionen zum
Ausdruck bringt, inkarniert in Gestalten, die unter ihrer Regie aus
Versatzstücken zu Subjekten zusammengesetzt werden. Das Subjekt kann
alternieren, kann sich ändern, kann von Grund auf ein anderes sein, setzt
sich aus Lebensfragmenten und widersprüchlichen Erfahrungen zusammen, ist
eine Collage und Montage, und dies kann ebenso für das Subjekt der
Lebenskunst gelten. Es handelt sich um ein multiples Selbst, und
vielleicht ist es die aufgebrochene Identität, die die Voraussetzung für
seine Sensibilität und sein wählerisches, kritisches Urteilsvermögen,
für seine Fähigkeit, neue Haltungen und Perspektiven zu gewinnen,
darstellt. Nicht die völlige Auflösung des Subjekts steht dabei in
Frage, sondern seine Zusammensetzung auf neue Weise, die Raum für Andere
und Anderes lässt – keine starre Identität, sondern eine
transformative Form anstelle der Geschlossenheit des Subjekts.
Experimenteller Werkbegriff und Kunstwerk des
Lebens
Neben der Geschlossenheit des Subjekts ist es die
Geschlossenheit des hergestellten Objekts, die durch die Künste im 20.
Jahrhundert in Frage gestellt worden ist; der herkömmliche Werkbegriff
ist durch sie neu definiert worden, und die Lebenskunst folgt ihnen
hierin, was das Leben als Werk angeht. Das unauflösliche Amalgam von Akt
und ständig sich änderndem Resultat macht aus dem Kunstwerk ein work
in progress, ein im Entstehen begriffenes Werk, das im Falle der
Lebenskunst die gesamte Lebensdauer für sich beansprucht und am Ende des
Lebens dennoch fragmentarisch bleiben kann. Das Kunstwerk muss nicht mehr
abgeschlossen, vollkommen, ein rundes Ganzes oder sonstwie gelungen,
harmonisch und in diesem Sinne schön sein; das Ästhetische des Werkes
schliesst nicht Hässliches, Widersprüchliches und Widerständiges aus,
und abgesehen davon, dass das Werk damit seine herkömmliche
Geschlossenheit und Einheit verliert, kommt ihm zudem seine
Objekthaftigkeit abhanden.
Dass das Werk ein Werk des Lassens sein
kann, hat Marcel Duchamp vorgeführt, dessen Kunst sich auf einen winzigen
Eingriff in Gegebenes beschränkt (Verkehrung des Pissoirs und eine
verkehrte Signatur: Der Brunnen, 1917), um eine Modifikation
einzuführen, eine Akzentsetzung nur, eine Nuance, die dem immer noch
gegenständlichen "Werk" eine ironische Eigentümlichkeit zu
geben vermag. Das Werk muss nicht mehr der gestaltete Gegenstand, sondern
kann der Akt des Kunstschaffens selbst sein, etwa bei Jackson Pollocks Action
painting. Das Werk kann die Provokation und Gestaltung einer Situation
sein, wie beim Situationismus von Guy Debord, der sich der Zumutung des
sinnentleerten modernen Lebens etwa mit einer Filmvorführung
entgegenstellt, bei der ein Projektor nichts als Licht auf die Leinwand
wirft – eine Situation, die das Nachdenken über das Wesen des Films
provoziert, der in der Tat nur ein Spiel mit dem Licht ist: Das Licht ist
alles, die Schatten der handelnden Personen aber sind
vernachlässigenswert. Wie sehr bei der Kunstform des Situationismus die
Lebenskunst mitgedacht ist, erweist der Situationist Raoul Vaneigem, der
1967 ein Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen
publiziert. Das Werk kann aber auch darin bestehen, eine Situation einfach
sich ereignen zu lassen, sie in jedem Augenblick ihrem möglichen
Scheitern auszusetzen und die Kategorie des Gelingens gänzlich aus der
Kunst zu verbannen, wie bei Fluxus und Happening. Das Werk kapriziert sich
sogar auf seine eigene Abwesenheit, sodass aus seiner Negation heraus ein
unvorhergesehenes, subjektloses Werk neu entstehen kann, wie bei der
Herstellung von Stille in 4'33'' von John Cage, denn anstelle des
Klavierstücks, das nicht gespielt wird, formiert sich ein Werk des
Zufalls, komponiert von irgendwelchen Tönen und Geräuschen, vom Pochen
des eigenen Herzens, vom Atem des Selbst und der Anderen, vielleicht auch
vom Lied eines Vogels, durchschnitten vom Getöse einer Maschine – ein
Werk des Lebens eben, wie es gelebt wird. Oder das Werk liegt überhaupt,
wie ein Nukleus, nur in einem durchdachten Konzept verborgen, das einer
umständlichen Ausführung gar nicht erst bedarf, wie bei der
Konzeptkunst.
Die Aufmerksamkeit auf das Werk des Lassens, auf
den jeweils besonderen Akt des Lebens, auf die einzelne Geste, auf die
Bewegung des Körpers, auf die Gestaltung und das Geschehenlassen von
Situationen, auf die Kreation eines neuen Werkes aus seiner Negation
heraus, auf das durchdachte Konzept: Die Auflösung des herkömmlichen
Werkbegriffs hat kein Verschwinden der Kunsttätigkeit zur Folge; diese
Tätigkeit, die auch ein Lassen sein kann, ist wichtiger als die Fixierung
auf das endgültige Resultat. All diese Momente des avantgardistischen
Werkbegriffs prägen auch das Kunstwerk des Lebens in einer erneuerten
Lebenskunst: Es geht nicht mehr um den Ausschluss des Widersprüchlichen
aus dem Werk, das das Leben ist; es geht nicht primär ums Gelingen in
einem vordergründigen Sinn, schon gar nicht um eine
"Vollendung". Das Scheitern kann ein Bestandteil dieses Werkes
sein. Es ist eine falsche Annahme zu glauben, mit der Gestaltung des
Lebens und des Selbst müsse zwangsläufig ein Gelingen oder gar eine
Perfektionierung beabsichtigt sein. Für die Kunst und Lebenskunst sind,
um sich nicht unter den Zwang einer Zweckerfüllung setzen zu lassen,
Gelingen und Misslingen grundsätzlich gleichberechtigt.
Wenn das ganze Leben zur Performance wird
Offenkundig kann die Lebenskunst von den Künsten
einiges an eigenwilligen Sichtweisen und Verfahrensweisen übernehmen, um
es zur Selbstgestaltung des Subjekts und zur Realisierung des Lebens als
Kunstwerk zu gebrauchen. Es sind die Künste, die einen Fundus an
Sensibilität und Alterität für das einzelne Individuum wie auch für
die gesamte Gesellschaft erarbeiten; sie intensivieren die Wahrnehmung und
produzieren Möglichkeiten des Andersseins und Anderslebens. Wenn die
Künste im 20. Jahrhundert als "Avantgarden" bezeichnet worden
sind und sich auch selbst so verstanden haben, dann in diesem Sinne: Als
Voraustrupps zur Erkundung von Möglichkeiten eines anderen Lebens, da das
Leben, wie es gewöhnlich gelebt wird, zu sehr von heteronomen Mächten
vereinnahmt wird und totalitären Machtansprüchen zu wenig
entgegenzusetzen hat. Zur historischen Beglaubigung dieses Anliegens trug
bei, dass die Arbeit der Avantgarden von den Nationalsozialisten zur
"entarteten Kunst" erklärt worden ist. Seither charakterisiert
die Aktualisierung des Anderen definitiv den ästhetischen Akt der
Moderne: "Aber dass es noch etwas anderes gibt, ist die Voraussetzung
von Kunst".10 Diese Kunst hält
Distanz zum gewöhnlichen Alltag und zum gegebenen Leben und führt eine
Differenz ein, durch die das Andere Eingang finden kann: In diesem Sinne
ist sie Alteration, und die Lebenskunst greift dies auf, um das Leben
nicht immer nur so zu belassen, wie es ist. Die Haltung der Indifferenz
ist keine Kunst, mag sie einem populären Verständnis auch als die
eigentliche Lebenskunst erscheinen.
Mitten im Alltag dem Anderen Raum zu geben, mag
den Eindruck einer Auflösung der Grenzen zwischen Kunst und Leben
erwecken. Es handelt sich jedoch nur um ein punktuelles Anderssein und
Andersleben. Die Facetten des Anderen sind vielfältiger Natur: Das Andere
kann darin bestehen, Gesten auszuarbeiten und den Körper selbst zum
Träger des Anderen zu machen, wie etwa bei der Body Art von
Carolee Schneemann, bei der der nackte Körper der Künstlerin selbst
bemalt und drapiert als eine Geste erscheint, die sich, kaum vollzogen, in
der flüchtigen Wirklichkeit auflöst (Eye Body, 1963). Oder das
Andere ist körperlich als befremdlich erfahrbar, wie bei den
"Projekten der Stille" der Performance-Künstlerin Gina Pane
(1939 – 1990), die sich in der Nähe von Paris, weit entfernt von den
Blicken der Betrachter, in einen Steinbruch legte, oder sich stundenlang,
die Arme verschränkt, in einem Museumsraum mit dem Rücken zum Publikum
setzte, einer Mauer zugewandt, nur um die Stille herrschen zu lassen; nur
Stille auch bei einem Projekt, bei dem fünf Personen für zwei Stunden
nur mit den Blicken kommunizieren durften.11
Ein Exerzitium der Lebenskunst stellt die Kunst der Performance ganz von
selbst dar; nicht von ungefähr wird sie als "die Kunst zu
leben" bezeichnet.12 Die Performance
ist ein Akt des Subjekts, der das Reale transformiert, indem er eine
andere Realität manifestiert. Als Kunstform ist sie durch die
Verfahrensweise des Experiments charakterisiert. Selbst wenn die Aktionen
vorweg konzipiert sind, wird, was aus ihnen wird, der Erfahrung
überlassen, die nicht von vornherein festgelegt werden kann.
Ein weitreichendes Experiment wagt dabei die New
Yorker Künstlerin Colette, die seit 1969 den Vollzug ihres gesamten Leben
als permanente Performance betrachtet und mithilfe gewählter Regeln und
Verfahrensweisen als live-art gestaltet. "Ich bin ein
Kunstwerk", hiess eine Performance Colettes 1979 in New York, bei der
sie höchst symbolisch einer Kunstkiste entstieg und ein T-Shirt mit der
Aufschrift "Fragile" trug. Der erste Akt ihrer neuen Existenz
bestand in der Aneignung des Namens "Colette", den sie der
berühmten französischen Romanautorin entlieh, vielleicht um sich auf
deren Sinnlichkeit und Erotik zu beziehen, vielleicht auch um deren
Klischees einer weiblichen Existenz umzubesetzen. Die wiedergekehrte
Colette prozediert, indem sie "das Leben zelebriert" und Akte
der Gestaltung sowohl in ihren privaten Wohnräumen (Living Environment)
wie auch im öffentlichen Raum, auf der Straße vollzieht, die sie dem
Verkehr streitig macht (Street Works). Das Konzept eines multiplen
Selbst, mit dem eine Madonna ein globales Publikum verführt, findet sich
ausser bei Cindy Sherman schon bei Colette vorformiert, die dabei, wie sie
etwa bei einer Performance 1985 in Berlin (From Silk to Marble)
vorgeführt hat, mit einfachsten Mitteln arbeitet: Blick, Geste,
Faltenwurf, Licht; aus der Variation dieser vier Elemente ergibt sich
jeweils eine charakteristische Gestalt, ein durchstilisierter Typus, den
sie verkörpert.13
Colette vollzieht die Modifikation und
Transformation ihres Selbst erst recht auf den Darstellungen ihrer selbst,
die sie bearbeitet, mit Farbschleiern, Linien und Punkten überzieht und
mit wechselnden Kontexten versieht, womit sie erneut eine andere Gestalt
produziert: Das ist kein Selbst, das unabhängig von seinem Umfeld, seiner
Präsentation und Repräsentation wäre, vielmehr präsentiert Colette
auch noch das Bild ihrer selbst, das sie repräsentiert, wie sie auf ein
Bild ihrer selbst blickt. Was gewöhnlich die Arbeit der Medien ist,
unternimmt sie selbst: Sie bringt ein Zeichen ihrer selbst in Umlauf und
versucht nichts zu sein als dieses Zeichen, aber über die Signatur ihres
Signums bestimmt sie selbst. Auf diese Weise produziert sie, auch dies
nicht nur dem Zufall überlassend, noch die Erinnerung, die von ihren
Akten zurückbleibt. Selbst die Kunst der Erinnerung bezieht sie damit in
den Bereich ihrer Kunsttätigkeit ein und gestaltet ihr Selbst nicht nur
aktuell, sondern auch retrospektiv, das ist ihre Art von self-appropriation.
Der Rezipient aber verhält sich in irgendeiner Weise dazu: In der Distanz
zwischen ihm und dem performativen Ereignis bzw. dessen Zeichen eröffnet
sich der Raum für sein Unverständnis oder sein Kopfnicken, für sein
Schulterzucken oder seine Faszination, für seine Träume und Ängste.
Nichts bleibt wie zuvor, unwillkürlich bezieht das rezipierende Subjekt
das Kunstwerk zurück auf sich selbst und das eigene Leben, und nimmt es
zum Anlass für seine eigene Deutung der Existenz.
Ästhetik und Hermeneutik der Existenz
Ausser den produktionsästhetischen sind in der
Tat auch einige rezeptionsästhetische Aspekte von Bedeutung für
die Gestaltung des Lebens als Kunstwerk. Sie umfassen zunächst die
Aufnahme der Künste ins Leben, um sie zum Bestandteil der individuellen
Ästhetik der Existenz zu machen und mit ihrer Hilfe das Leben zu
gestalten, das Selbst zu formen und zu sensibilisieren, dem Anderen in ihm
Raum zu geben und ein Andersleben zu erproben. Die Erfahrung, die das
rezipierende Subjekt im Raum der Kunst macht, ist die Erfahrung der
Freiheit und des Freiraums, in dem sich die Kreativität entfaltet, die
keine Grenzen kennt; Erfahrung eines zweckfreien Raums, in dem niemand
vorgegebenen Zwecken zu dienen hat, sodass eine Kultur der Gelassenheit
sich ausbreiten kann inmitten der vorwärtsstürmenden Zeit, die von allen
Seiten anbrandet, an diesem Felsen jedoch sich bricht. Die Zeit bleibt an
der Schwelle zu diesem Raum zurück, sodass nurmehr der Raum existiert,
den allein die Kunst, das heisst die Praxis der Freiheit dominiert.
Diese Erfahrung ist zu machen etwa in den von
Daniel Buren gestalteten Räumen. Da war beispielsweise eine spektakuläre
"Ausstellung" 1991 in Bordeaux, in einem riesigen alten
Gebäude, dessen große Halle er mit einer Spiegelinstallation, schräg
ansteigend vom Erdgeschoß zum ersten Stock, völlig veränderte: Die
Architektur des Raumes wurde verdoppelt und in der Doppelung gebrochen,
der Raum buchstäblich umgekehrt; die vorgefundenen, gemauerten Bögen
traten durch eine schwarzweisse Linienstruktur stark hervor und schlossen
sich im Spiegel zu Kreisen und Ovalen zusammen. Der Titel der Arbeit: Dominant-Dominé.
Dominant ist der Raum selbst, dominiert das Subjekt, das ihn betritt und
ihn auf neue Weise erfährt; das Subjekt wird multipliziert, und im
konvertierten Raum spürt es die Konversion seiner selbst. Eine Studie wie
diese erweist die Wechselbeziehung von Raum und Subjekt, denn das Subjekt
verändert den Raum ebenso wie umgekehrt der Raum, sei er real oder
imaginär, das Subjekt, das sich in ihm bewegt: Eine durch Kunst
vermittelte Einsicht der Lebenskunst. Nicht von ungefähr verweist Buren
selbst auf seine Herkunft aus dem Situationismus, wenn es ihm darum geht,
den herkömmlichen Kunstbegriff aufzulösen und stattdessen die
Herstellung von Orten und Ereignissen als situatives Kunstwerk zu
betrachten, als konzeptualistische Arbeit "in situ", durch die
hindurch im rezipierenden Subjekt "etwas anderes" geschehen
kann.
Viele Werke der Kunst handeln explizit oder
implizit von Fragen und Problemen der Lebenskunst; insbesondere in Filmen,
in der Literatur und in Theaterstücken werden Phänomene und Bedingungen
des Lebens, Lebensmöglichkeiten und Widersprüche des Lebens
durchgespielt.14 Eine ganze Hermeneutik
der Existenz wird dabei nicht nur inszeniert, sondern bei den
Rezipienten selbst inauguriert, die die Werke entschlüsseln, sie auf ihre
eigenen Fragen hin interpretieren und in eigenes Lebenkönnen
transformieren. Die Sentenz Bert Brechts, wonach alle Künste beitragen
"zur grössten aller Künste, der Lebenskunst", könnte auch auf
diese Weise zu verstehen sein. Die jeweilige Aufnahme der Werke setzt
einen Reflexionsprozess in Gang und regt das rezipierende Subjekt dazu an,
inmitten der ganzen Bandbreite des Wirklichen und Möglichen den eigenen
Weg zu durchdenken und schliesslich sich selbst in der Auseinandersetzung
mit dem Dargebotenen neu zu bestimmen.
Das Werk entsteht in den Augen der Anderen
Diese rezeptive Seite ist nicht etwa nur ein
Nachtrag zum Kunstwerk und gelegentlich sogar sein Missbrauch. Das
Kunstwerk existiert vielmehr nicht unabhängig von den Augen der Anderen,
und vielleicht lässt sich, analog zu Duchamp, auch für das Kunstwerk des
Lebens sagen, dass es in den Augen der Anderen überhaupt erst entsteht.
Was Kunst "ist", steht eben nicht objektiv und zweifelsfrei von
vornherein fest; einen Anspruch darauf zu erheben, was als Kunst
anzuerkennen ist und als Kunstwerk zu gelten hat, ist nur die eine Seite
des Kunstprozesses, die andere aber ist den Rezipienten überlassen, die
diesen Anspruch affirmieren und dem Kunstwerk die Geltung verschaffen, die
es nicht von selbst schon hat und die es nur behaupten, nicht erzwingen
kann. Mit jedem Kunstwerk, und auch mit jedem Kunstwerk des Lebens,
beginnt dieses Spiel von Neuem, jedesmal mit ungewissem Ausgang.
Mit der Art der Aufnahme durch Andere wird
das Kunstwerk des Lebens wie andere Kunstwerke auch interpretiert und
beantwortet. Die Rezeption ist die Weiterarbeit an dem Prozess, durch den
das Werk entsteht, das nie abgeschlossen ist; die Offenheit und
Unabgeschlossenheit des Werkes erweist sich auch hier. Von den Rezipienten
vor allem, also aus der Distanz, wird das Kunstwerk überhaupt als
"Werk" wahrgenommen, und ihr Blick darauf muss mit der Intention
seiner Herstellung durchaus nichts zu tun haben; der konstitutive Mangel
an Übereinstimmung von Aussensicht und Binnensicht sorgt vielmehr für
die beständige Spannung zwischen Fremd- und Selbstinterpretation, in der
das Werk lebt. Selbst den Tod seines Urhebers kann es überdauern in den
Augen der Anderen, denn die Arbeit der Rezipienten löst das Werk von der
Gebundenheit an seine Herkunft und lässt es selbständig existieren wie
ein imaginiertes Bild.
Die Geschichte seiner Rezeption wird schliesslich
zum Bestandteil des Werkes und ist, wie das Werk selbst, nicht
abschliessbar; die Weiterarbeit am Werk besteht darin, dass es kritisiert,
affirmiert oder verworfen, in jedem Fall aber beurteilt wird, und da es
kein hermetisch in sich verschlossener Raum ist, antwortet es darauf und
wird von dieser Antwort wiederum selbst verändert. Die Kriterien zur
Beurteilung sind so divergent wie bei der Beurteilung der Werke anderer
Künste auch; das Kunstwerk des Lebens wird danach befragt, ob es
"Sinn macht", ob es offene oder verborgene Beziehungen zu
exemplarischen Werken Anderer unterhält, welche originäre Regel der
Gestaltung ihm selbst zugrunde liegt, welche Techniken auf welche Weise
Anwendung gefunden haben, welchen Erfahrungen es Rechnung trägt, ob es
den Rezipienten etwas "sagt" und ob es ihnen gefällt. Analog
zur modernen Kunst ist es letztlich vergebens, nach objektiven Kriterien
zur Beurteilung des Lebens als Kunstwerk zu suchen, denn subjektive
Kriterien wirken entscheidend an der Bestimmung dessen mit, was als
Kunstwerk gelten kann und was nicht.
Über die Aufnahme durch Andere vollzieht sich
zudem der komplementäre Aspekt des Rezeptionsprozesses: Die Rückwirkung
auf Andere, die vom Kunstwerk, das das Selbst aus sich und seinem
Leben macht, wiederum bewirkt werden kann. Das Einfallstor dieser
Einwirkung ist die beschriebene Hermeneutik der Existenz, die vom
Rezipienten betrieben wird und die keineswegs nur auf die Interpretation
des Werkes beschränkt bleibt, sondern auf das eigene Selbst
zurückbezogen wird, um den Vollzug der eigenen Existenz zu reflektieren
und zu interpretieren und gegebenenfalls zu verändern. Es ist möglich,
dass die Lebenskunst, deren Konturen so zu skizzieren sind, dem
oberflächlichen Blick als etwas Leichtes und Einfaches erscheint, sodass
es, wie beim Blick auf Werke der modernen Kunst, zu der vorschnellen
Aussage kommt: "Das kann ich auch!" In aller Regel aber bedeutet
das Leben zu führen, das tun zu müssen, was man nicht kann. Mit
diesem Problem sieht sich, der Frage der Lebenskunst zu lange entwöhnt,
das moderne und postmoderne Subjekt konfrontiert.
Das Leben löst sich nicht in Kunst auf, die
Kunst nicht in Lebenskunst
Auf Befürchtungen, wie sie eingangs formuliert
wurden, lässt sich jedenfalls nun antworten: Das Zusammenziehen von Kunst
und Leben im Begriff der Lebenskunst hat keineswegs ihre unterschiedslose
Verschmelzung zur Folge. Kunst ist als Tätigkeit der Gestaltung zwar Teil
des Lebens, nur eben nicht des gewöhnlichen, alltäglich gelebten Lebens,
sondern willentlich eines anderen, das quer zum Gegebenen steht ober
abseits davon liegt. Lebenskunst mag das Leben mit den Künsten sein, um
mit ihrer Hilfe das gelebte Leben und das Selbst zu gestalten und diese
Praxis der Gestaltung selbst zur Kunst zu machen, aber weder das Leben
noch die Kunst unterliegen dabei beliebiger Verfügbarkeit. Nicht nur,
dass immer wieder neu mit dem Material des Lebens gearbeitet werden muss,
das in zufälliger Konstellation vorgefunden wird – auch das
entsprechende Können der Gestaltung steht dem Individuum nicht ohne
weiteres zur Verfügung, vielmehr ist der Einzelne abhängig von jenem
Können, das in der jeweiligen Kultur, wenn überhaupt, ausgearbeitet und
verfügbar ist. Das kulturelle Können wird dem Individuum gewöhnlich im
Verlauf des Bildungs- und Erziehungsprozesses vermittelt, wenngleich diese
Vermittlung in moderner Zeit nicht als sehr wesentlich erachtet worden
ist, so wie auch in der Kunstauffassung der modernen Gesellschaft, anders
als bei den Künsten selbst, eine Kunst, die auf das Leben bezogen und zur
Lebenskunst wird, lange keine Rolle gespielt hat.
Weder steht also die Einebnung der Differenz
zwischen Kunst und Leben, noch auch diejenige zwischen Lebenskunst und
anderen Künsten zur Debatte. Sich inspirieren zu lassen von den Künsten,
ja sich faszinieren und überwältigen zu lassen, sich wegtragen zu lassen
in eine andere Welt: Das ist nur möglich, weil die Künste
autonom, eigengesetzlich, nicht Bestandteil des gewöhnlichen Lebens,
seiner Konventionen und Traditionen sind. Nur so eröffnen sie einen
Spielraum der Freiheit. Die Künste bewahren weiterhin ihre Autonomie und
produzieren, was ihnen gefällt, affirmieren oder negieren sich selbst als
"Kunst", akzeptieren freilich auch, was umgekehrt ebenso
freimütig als Kunst rezipiert oder verworfen wird. Sie werden lediglich
ergänzt um die nun ihrerseits sich wieder verselbständigende Kunst, das
Leben zu führen, das Selbst zu gestalten und neue Möglichkeiten des
Lebens zu finden und zu erfinden, nicht ohne Bezug auf all das, was
Künstler unter Bedingungen der Moderne selbst als Lebenskunst verstanden
und praktiziert haben, um das eigene Leben zu formen und zu
transformieren, Versuche anzustellen und zu experimentieren, Konzepte zu
machen und sie zu erproben.
Die Künste bleiben also, was sie sind, während
die Lebenskunst über den autonomen Bereich der Kunst hinaus noch eine
ethische und politische Dimension eröffnet und zur Ethik und Politik der
Lebenskunst wird. Aber haben nicht auch die künstlerischen Avantgarden
ihre Arbeit immer wieder auf diese Weise verstanden? Die Surrealisten
beispielsweise bezogen 1936 Position gegen die Moskauer Prozesse, 1939
gegen die Parolen "Frankreich erwache" und "Frankreich den
Franzosen"; Surrealismus, das war nicht zuletzt auch das ethische und
politische Engagement für eine veränderte Realität, in deren Rahmen es
sich auf andere Weise als bisher leben liesse und das Experiment und die
Erfahrung eines reicheren, freieren, schöneren Lebens zu machen
wäre, schön im Sinne des Bejahenswerten, das durch die ästhetische
Erfahrung vermittelt werden kann: Kunst um der Lebenskunst willen. Diese
Kunst ist potentiell die Sache eines jeden und ist eine Tätigkeit, die
jederzeit vollzogen werden kann. Jeder einzelne müsse "heute seine
ganz besondere Art Kunst, seine eigene Arbeit für die neue soziale
Organisation machen"15 – dies ist
auch der Sinn der Formel von Joseph Beuys, wonach "jeder Mensch ein
Künstler" sei, eine Wiederaufnahme des weniger bekannten Satzes von
Oscar Wilde, der bereits von der Sorge getragen ist, dass die Menschen der
Moderne ansonsten selbst zu Maschinen werden könnten: "Wir dagegen
wünschen uns die Menschen als Künstler."16
Gibt es überhaupt ein Leben des Menschen ohne Kunst?
Unverändert lebt am Ende des Jahrhunderts im
Diskurs der Ästhetik jedenfalls die Idee fort, das Leben in Form von
Lebenskunst zum Kunstwerk zu machen.17
Vor allem aber erscheint es an der Zeit, der Lebenskunst in der
Philosophie selbst wieder Raum zu geben und eine neue Philosophie der
Lebenskunst zu begründen.18 Sie kann
nicht die antiken Elemente der Lebenskunst einfach wiederbeleben, will sie
sich nicht der Gefahr aussetzen, die Lebenskunst-Vorstellungen erneut mit
normativem Anspruch auszustatten. Der Anspruch einer erneuerten
Lebenskunst kann nur ein optativer sein: Möglichkeiten zu
eröffnen, den ganzen Horizont der Möglichkeiten aufzuzeigen, innerhalb
dessen das Subjekt seine Wahl treffen kann. Das Experiment tritt in den
Vordergrund: Das ist es, was die erneuerte Lebenskunst der Nähe zu den
modernen Künsten verdankt, ohne die sie nicht denkbar ist.
Anmerkungen:
1
Michel Foucault: "Zur Genealogie der Ethik" (Interview, 1983),
in: Hubert L. Dreyfus u. Paul Rabinow: Michel Foucault. Jenseits von
Strukturalismus und Hermeneutik, Frankfurt/M. 1987, S. 273; frz. in:
Ders., Dits et Écrits, Paris 1994, Bd. 4, Nr. 344, S. 617.
2
Vgl. Michel de Montaigne: Essais, neue deutsche Gesamtübersetzung
v. Hans Stilett, Frankfurt/M. 1998; frz. Les Essais, hg. v. Pierre
Villey, Paris 1988.
3
Christoph Martin Wieland: "Fragmente von Beyträgen zum Gebrauch
derer, die sie brauchen können oder wollen", in: Der Teutsche
Merkur, Weimar, April 1778; siehe auch in: Wielands Gesammelte
Schriften I, 14, Berlin 1928.
4
Caroline Schlegel-Schelling: Die Kunst zu leben (Briefe), hg. v.
Sigrid Damm, Frankfurt/M. u. Leipzig 1997.
5
Paul Klee: Tagebücher 1898 – 1918, bearb. v. Wolfgang Kersten,
Stuttgart 1988.
6
Alexander Rodtschenko: Alles ist Experiment. Der Künstler-Ingenieur,
hg. v. Pierre Gallissaires, Hamburg 1993.
7 Zeitschrift Die
freie Straße 10 (Dez. 1918). "Der Mensch ergreift Besitz von
sich", in: Zeitschrift Die Aktion 7, 14/15
(1917). "Recht auf Selbststeuerung" reklamiert von Heinrich
Stadelmann-Ringen, in: Die Aktion 7, 31/32 (1917), Spalte 420.
8
Vgl. DADA New York. Von Rongwrong bis Ready-made. Texte und Bilder,
hg. v. Brigitte Pichon und Karl Riha, Hamburg 1991, S. 62.
9
Maurice Merleau-Ponty: Das Sichtbare und das Unsichtbare, München
1986; frz. Le visible et l’invisible (posthum 1964, unvollendet).
10
Heiner Müller: "Für immer in Hollywood" (Gespräch mit Frank
Raddatz), in: Lettre International, Berlin, 24 (1994), S. 4.
11
Zu Gina Pane siehe Elisabeth Jappe: Performance Ritual Prozess.
Handbuch der Aktionskunst in Europa, München 1993, S. 26 f., 32 f.,
66, 197 mit weiteren Verweisen.
12
Edith Almhofer: Performance Art. Die Kunst zu leben, Wien 1986.
13
Colette: From Silk to Marble, Katalog Künstlerhaus Bethanien,
Berlin 1985. Vgl. Dies.: The Bavarian Adventure, Katalog Frauen
Museum, Bonn 1988. Siehe auch Ursula Bode: "Colette – Die Frau, die
ihr Leben zum Kunstwerk macht", in: Art 6 (Juni 1990).
14
Vgl. Markus Barth: Lebenskunst im Alltag. Analyse der Werke von Peter
Handke, Thomas Bernhard und Brigitte Kronauer, Leverkusen 1998.
15
Beuys in Amerika, hg. v. Klaus Staeck u. Gerhard Steidl, Heidelberg
1997.
16
Oscar Wilde in: Weekly Herald, Omaha, 24. März 1882, als Vertreter
der "neuen romantischen Schule" auf einer Vortragsreise in
Amerika; zitiert in: Richard Ellmann, Oscar Wilde, München 1991,
S. 276.
17
Hannes Böhringer: Kunst und Lebenskunst, Bern 1987. Reinhardt
Knodt: Ästhetische Korrespondenzen. Denken im technischen Raum,
Stuttgart 1994. Paul Thomas Erne: "Die Kunst der Aneignung in der
Aneignung der Kunst. Lebenskunst als Thema der Theologie im Anschluss an
Kierkegaard", in: Zeitschrift für Theologie und Kirche 2
(1996). – Kritisch jedoch: Heinrich Klotz: Kunst im 20. Jahrhundert.
Moderne, Postmoderne, Zweite Moderne, München 1994. Wolfgang
Müller-Funk: "Das ästhetische Leben", in: Frithjof Hager u.
Hermann Schwengel (Hg.): Wer inszeniert das Leben? Frankfurt/M.
1996. Thomas Medicus, "Orlando zieht in den Krieg. Der seltsame Fall
des Lyrikers Rupert Brooke", in: Sinn und Form 49, 4 (1997).
18
Vgl. Wilhelm Schmid: Philosophie der Lebenskunst – Eine Grundlegung,
Frankfurt/M. 1998.
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