Philosophie der Lebenskunst

Kurzinformationen

Philosophie der Lebenskunst
Eine Grundlegung

Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft Nr. 1385
Frankfurt/M. 1998, 10. Auflage 2007; gebundene Neuausgabe 2003
566 Seiten. 15 Euro. ISBN 3-518-28985-3

 

 

Das Interesse an Lebenskunst ist zeitbedingt. Nach Lebenskunst fragen diejenigen, für die sich das Leben nicht mehr von selbst versteht, in welcher Kultur und Zeit auch immer. Die Frage bricht vorzugsweise dort auf, wo Traditionen, Konventionen und Normen nicht mehr überzeugend sind und die Individuen sich um sich selbst zu sorgen beginnen.

In seiner Neubegründung einer Philosophie der Lebenskunst aus dem Problemhorizont der Gegenwart heraus geht es dem Autor vor allem darum, jene Aspekte ausfindig zu machen, die, "quasi-transzendental", zwar nicht für jede mögliche, aber für jede reflektierte und in diesem Sinne philosophische Lebenskunst grundlegend sind - ein Versuch, Lebenskunst nicht, wie in der Tradition häufig geschehen, inhaltlich festzulegen, sondern ihre Grundbedingungen zu thematisieren, die im jeweiligen historischen und kulturellen Kontext die Bedingungen ihrer Möglichkeit darstellen und deren konkrete Ausgestaltung den Individuen überlassen bleiben muss.

Aufgabe einer Philosophie der Lebenskunst ist es, die theoretischen Elemente bereitzustellen, mit deren Hilfe ein Individuum sein Leben selbst gestalten kann. Das Buch beginnt mit einem Bild: "Exkursion in die Philosophie" (1959 von Edward
Hopper). Seine Forschungsreise führt zunächst in die Geschichte der Philosophie, um aufzuzeigen, wie tief die Frage der Lebenskunst in ihr verwurzelt ist, bevor sie im Verlauf des 19 und 20. Jahrhunderts fast gänzlich außer Blick geriet. Mit Bezug auf die Herausforderungen der Gegenwart werden dann die Umrisse einer Philosophie der Lebenskunst skizziert.
Ein Nachdenken über die Moderne bildet den Hintergrund für die Entfaltung der Begriffe der Lebensführung, der Lebensform und des Lebensstils. Über die Frage nach dem "guten Leben" hinaus, die in den neunziger Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat, wird hier die weitergehende nach dem "schönen Leben" gestellt.

Die Frage nach dem Subjekt der Lebenskunst wie auch nach dem Verhältnis zwischen dem Selbst und den Anderen wird eingehend erörtert. Eigens thematisiert wird die Hermeneutik der Existenz, die erforderlich ist, um sich aufs Leben zu verstehen, sowie die Lehr- und Lernbarkeit dieses Vermögens. Schließlich kommt es Schmid darauf an, die Problemstellung der Ökologie in ihrer Bedeutung für eine neue Lebenskunst herauszustellen und die Grundzüge einer ökologischen Lebenskunst für eine andere Moderne, nach der Postmoderne, zu entwerfen.

Diese Grundlegung einer Philosophie der Lebenskunst möchte, ausgehend von dem Werk
Foucaults, einem einst zentralen, dann "vergessenen" Interesse der Philosophie wieder die ihm gebührende Geltung verschaffen.