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Das
Interesse an Lebenskunst ist zeitbedingt. Nach Lebenskunst fragen
diejenigen, für die sich das Leben nicht mehr von selbst versteht, in
welcher Kultur und Zeit auch immer. Die Frage bricht vorzugsweise dort
auf, wo Traditionen, Konventionen und Normen nicht mehr überzeugend sind
und die Individuen sich um sich selbst zu sorgen beginnen.
In seiner Neubegründung einer Philosophie der Lebenskunst aus dem
Problemhorizont der Gegenwart heraus geht es dem Autor vor allem darum,
jene Aspekte ausfindig zu machen, die, "quasi-transzendental",
zwar nicht für jede mögliche, aber für jede reflektierte und in diesem
Sinne philosophische Lebenskunst grundlegend sind - ein Versuch,
Lebenskunst nicht, wie in der Tradition häufig geschehen, inhaltlich
festzulegen, sondern ihre Grundbedingungen zu thematisieren, die im
jeweiligen historischen und kulturellen Kontext die Bedingungen ihrer Möglichkeit
darstellen und deren konkrete Ausgestaltung den Individuen überlassen
bleiben muss.
Aufgabe einer Philosophie der Lebenskunst ist es, die theoretischen
Elemente bereitzustellen, mit deren Hilfe ein Individuum sein Leben selbst
gestalten kann. Das Buch beginnt mit einem Bild: "Exkursion in die
Philosophie" (1959 von Edward Hopper). Seine
Forschungsreise führt zunächst in die Geschichte der Philosophie, um
aufzuzeigen, wie tief die Frage der Lebenskunst in ihr verwurzelt ist,
bevor sie im Verlauf des 19 und 20. Jahrhunderts fast gänzlich außer
Blick geriet. Mit Bezug auf die Herausforderungen der Gegenwart werden
dann die Umrisse einer Philosophie der Lebenskunst skizziert.
Ein Nachdenken über die Moderne bildet den Hintergrund für die
Entfaltung der Begriffe der Lebensführung, der Lebensform und des
Lebensstils. Über die Frage nach dem "guten Leben" hinaus, die
in den neunziger Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat, wird hier die
weitergehende nach dem "schönen Leben" gestellt.
Die Frage nach dem Subjekt der Lebenskunst wie auch nach dem Verhältnis
zwischen dem Selbst und den Anderen wird eingehend erörtert. Eigens
thematisiert wird die Hermeneutik der Existenz, die erforderlich ist, um
sich aufs Leben zu verstehen, sowie die Lehr- und Lernbarkeit dieses Vermögens.
Schließlich kommt es Schmid darauf an, die Problemstellung der Ökologie
in ihrer Bedeutung für eine neue Lebenskunst herauszustellen und die
Grundzüge einer ökologischen Lebenskunst für eine andere Moderne, nach
der Postmoderne, zu entwerfen.
Diese Grundlegung einer Philosophie der Lebenskunst möchte, ausgehend von
dem Werk Foucaults, einem einst zentralen, dann
"vergessenen" Interesse der Philosophie wieder die ihm gebührende
Geltung verschaffen.
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